Aktuelles (18.10.2017)

 

Raffael und Moritz Röbbecke

Anmerkungen zu einer Ausstellung

Im Jahre 1483 wurde Raffael Santi in Urbino geboren. Über Perugia ging Raffael nach Florenz und später nach Rom, wo er zum wichtigsten Künstler und Kunstbeamten aufstieg. Raffael starb sehr früh mit 37 Jahren im Jahr 1520.
Von den großen Drei der italienischen Hochrenaissance mit Leonardo da Vinci und Michelangelo ist Raffael der Jüngste. Raffael malte perfekte Bilder. Die Kunstwelt ordnet seinen Menschenbildern die Idee der menschlichen Freiheit und Würde zu, die in einer bis dahin ungekannten Art zum Ausdruck kommt. Dies gilt in besonderem Maße für seine Madonnenbilder.

Auf seinem Sarkophag im Pantheon zu Rom ist zu lesen:
Ille hic est Raphael, timuit quo sospite vinci, rerum magna parens et moriente mori.“

„Dieser hier ist Raffael, von dem die große Mutter der Dinge [= die Natur] fürchtete übertroffen zu werden, solange er lebte, und mit ihm zu sterben, als er starb.“

Von der Kritik hoch gefeiert, präsentiert die Albertina in Wien (bis zum 7. September 2018) eine großartige Schau zu Raffael mit eigenen Exponaten und Leihgaben aus europäischen Museen und Sammlungen. Das Albertina-Museum ist im Palais Erzherzog Albrecht, einer historischen Residenz der Habsburger, untergebracht.
Das „Universalgenie der Hochrenaissance“ wird in dieser einzigartigen Ausstellung im Albertina Museum in Wien in seiner gesamten Schaffensperiode repräsentiert: Von der frühen umbrischen Periode (bis 1504) über die Jahre des Florenz-Aufenthaltes (1504/1505–1508) bis hin zur römischen Zeit (1508/1509–1520).

In einem Beitrag der ARD (Wien) wird die Ausstellung wie folgt gewürdigt:
„130 Zeichnungen und 18 Gemälde hat die Organisationsleitung der Albertina da zusammengetragen. Was für Laien auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär klingt ist aber in Wahrheit eine kunsthistorische Sensation. Denn es sind allesamt Originale eines der größten Genies der Hochrenaissance, Raffael Santi aus Urbino – und diese sind ansonsten in zahlreichen Museen quer über die ganze Welt verstreut.

Die chronologisch angelegte Ausstellung, laut Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nach Van Gogh und Michelangelo die dritt-teuerste in der Geschichte des Hauses, bietet die seltene Gelegenheit, die Arbeitsweise Raffaels anhand seiner Studien und Skizzen eingehend studieren zu können. Ermöglicht habe dies, so Schröder, die „überwältigende Bereitschaft“ von unzähligen hochkarätigen Leihgebern sowie der Umstand, dass mit dem Ashmolean Museum in Oxford, das mit rund 100 Raffael-Zeichnungen über den größten diesbezüglichen Bestand verfügt, ein „wunderbarer Kooperationspartner“ gefunden worden sei. Aus Oxford, wo die Ausstellung „Raphael: The Drawings“ Anfang September zu Ende ging, kommen etwas weniger als 40 Zeichnungen, in etwa genauso viele wie aus der Albertina selbst, wo der Gesamtbestand 50 Blätter beträgt.

Quelle: https://www.ard-wien.de/2017/10/07/oesterreich-raffael-ausstellung-albertina-wien/
(Zugriff 12.10.2017)


Diese einzigartige Wiener Ausstellung zu Raffael ist Anlass, den in Meerane am 13. Januar 1857 geborenen Maler und Kopisten Friedrich Moritz Röbbecke in das Gedächtnis der Stadt zu rufen.
Moritz Röbbecke lebte und wirkte in München (1877–1894), in Berlin (1900–1914) sowie in Dresden, wo er am 30.4.1916 verstarb. In seinem 1881 begonnenen Verzeichnis listet er bis ins Jahr 1914 insgesamt 229 Werke auf.
Von großer Bedeutung waren seine Auftragsarbeiten für Prinz Georg von Preußen in den Jahren 1895 bis 1900. Moritz Röbbecke fertigte für dessen Sammlung Kopien der Renaissancemalerei an. Er arbeitete dazu in München, Bologna, Florenz und Paris.

Hier begegnet nun Moritz Röbbecke dem Universalgenie der Hochrenaissance Raffael. Von ihm kopierte er folgende Gemälde für Prinz Georg von Preußen: Die Heilige Familie aus dem Hause Canigiani (in der Pinakothek München), das Porträt des Bindo Altovito (in der Pinakothek München), die Heilige Cäcilie (in der Pinakothek Bologna), die Madonna della Sedia (im Palazzo Pitti Florenz), Papst Leo X (im Palazzo Pitti Florenz), die Vision des Ezechiel (im Palazzo Pitti Florenz), Heiliger Johannes in der Wüste (in den Uffizien Florenz), Julius II. (in den Uffizien Florenz), Johanna von Aragon (im Louvre Paris) und die Große Heilige Familie Franz I. (im Louvre Paris).

Alle Raffael Kopien befinden sich heute in der Sammlung Kunstakademie des Museum Kunstpalast zu Düsseldorf. Prinz Georg von Preußen vermachte die Gemälde der Kunstakademie zu Studien- und Lehrzwecken. Dazu zählt auch das Gemälde „Die Vision des Ezechiel“, das Röbbecke 1896 in Florenz kopierte. Das Original von Raffael (1516–1517) wird in der Albertina gezeigt.

Die Albertina betont, dass bei Raffael das Denken und die Konzeption im Zentrum stehen, denn er habe stets erste spontane Ideenskizzen, virtuose Detailstudien und Kompositionsstudien angefertigt, bis er sich für die Ausführung eines Gemäldes entschied. Für ihn stand auch das Gleichgewicht zwischen Naturnachahmung und Ideal im Vordergrund.

Ein Maler und Kopist wie Moritz Röbbecke besaß die „Fähigkeit zur Wiedergabe der Wirklichkeit“, die „die Fähigkeit zur Wiedergabe von Gemälden als Bestandteil dieser Wirklichkeit mit“ einschloss*. Mit dieser Fähigkeit konnte er sich auch schrittweise den Gemälden Raffaels annähern und dessen Gemälde als Kopien erschließen.

(*Heimatmuseum Meerane (Hrsg.): Moritz Röbbecke 1857–1916 Maler und Kopist. Meerane 2002. S. 153.
Das Buch ist im Heimatmuseum der Stadt Meerane erhältlich.)


Bilder des Heimatmuseums Meerane:
Selbstporträt Moritz Röbbecke 1899
Kopie Raffael – Heilige Familie aus dem Hause Canigiani 1895

Text: Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer


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