Aktuelles (24.11.2017)

 

„Meeraner Geschichtswerkstatt“ etabliert sich zum Besuchermagnet

Die Stadtbibliothek Meerane, Joachim Krause und Erich Lorenz hatten am 20. November 2017, zur „Meeraner Geschichtswerkstatt“ in die Stadtbibliothek Meerane eingeladen. Diesmal sollte es um das Thema „Der Kaufmann Carl Lorenz aus Meerane und sein Sohn Erich im Zweiten Weltkrieg – Zeitgeschichte in Feldpostbriefen und Erinnerungen“ gehen. Mit dabei war Erich Lorenz als Zeitzeuge und aktiver Gesprächspartner für die mehr als zahlreich gekommenen Besucher. Das Obergeschoss der Bibliothek war salopp gesagt, proppenvoll und Stühle mussten aus allen Ecken herzu geholt werden. Obwohl die von Joachim Krause initiierten Gespräche zur Geschichtswerkstatt schon fast ein Garant für eine hohe Besucherdichte sind, so war man von diesem Interesse schier überwältigt. Auch Erich Lorenz, dessen Geschichte damit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, freute sich über jeden Gast und berichtete zu Beginn, was ihn dazu bewog, überhaupt die Feldpostbriefe und seine Erinnerungen nach außen zu tragen. „Ich war von Joachim Krauses Offenbarung über seine Eltern damals hier in der Bibliothek sehr berührt und dachte mir, warum machst du nicht auch diesen Schritt und arbeitest die Feldpost deines Vaters auf?!“

Dies äußerte er allerdings in Gegenwart des Schönbergers und beseelten Chronisten Joachim Krause und so gab es dann für ihn auch kein Zurück mehr. Beide trafen sich fortan und stöberten in den Briefen von Carl Lorenz und kramten in den Erinnerungen von Erich Lorenz. „Ich habe über 100 Seiten Erinnerungen geschrieben“, wirft Joachim Krause mit seiner gewohnt humorvollen aber dennoch respektvollen Art ein und zu Erich Lorenz blickend, sagte er: „ Danke, dass du mir deine Briefe zur Verfügung gestellt hast! “ Er weiß, was es bedeutet, solche Erinnerungen zu teilen. Hatte er doch seine Eltern dadurch in einem völlig anderen – für ihn fremdem - Licht kennengelernt.

Doch nun zurück zur Geschichte von Erich Lorenz und seinem Vater Carl. In einem Satz könnte man sie als Wechselbad der Gefühle beschreiben. War Erichs Vater zu Beginn seines Kriegseinsatzes voller Idealismus, so zeigen die Feldpostbriefe in die Heimat an die Familie, die schwindenden Hoffnungen. So schreibt Carl Lorenz in einem Brief folgende nachdenklichen Zeilen: „ Die Illusion, dass der Krieg zu gewinnen sei, hatte ich schon längst aufgegeben, aber man durfte das nicht sagen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schlimm der Krieg hier ist.“ Mit all diesen Erlebnissen verband er in seiner Feldpost auch immer wieder die Hoffnung, dass sein Sohn Erich nicht mehr in den Krieg ziehen müsse. Wie aber die „Meeraner Geschichtswerkstatt“ an diesem Abend im Gespräch mit Joachim Krause und dem Zeitzeugen selbst, berichtete, ereilte der Krieg auch Erich Lorenz. Er erzählte darüber, wie er tatsächlich splitternackt dem Tod entkam, über seine fünfjährige russische Gefangenschaft und wie er 1949 bei seiner Rückkehr nach Meerane begrüßt wurde – mit einem Schnaps. Trotz dieser Repressalien hat der Meeraner Zeitzeuge seinen Humor nicht verloren, spricht offen mit dem Publikum über seine Erlebnisse und hofft, dass doch noch weitere Feldpost gefunden werden möge. Denn auch, wenn es die Geschichte eines einzelnen Meeraners abbildet, so könnte diese überall stattgefunden haben. „Wir haben Nichts gewusst, war nicht der Fall. Es steht alles in den Briefen“, betont er am Ende und dankt zudem Joachim Krause, welcher das Gespräch für ihn geführt hat.



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